Felizienthal-Forschung

Tucholka

Tucholka, ein ukrainisches Dorf, 1552 gegründet, 60 km südwestlich von der Kreisstadt Stryj, 24 km südwestlich von Skole, 734 Meter über Meeresniveau gelegen, ist auch von einer deutschen Minderheit bewohnt, die sich aus den umliegenden Dörfern aus Mangel an Grund und Boden aus ihrem Heimatdorf hier eingekauft hatte.
Sie erwarben 1852 und danach von den Ukrainern Baugrund und Felder und bauten sich ihre Häuser oder heirateten nach hier. Im Dorfteil von Klimiec her, der „Horb“ genannt wurde, wohnten nur Deutsche, auch an der Straße nach Annaberg und an der Straße Richtung Skole.
Die ehemaligen deutschen Häuser 1940 sind nach und nach gänzlich verschwunden.
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Tucholka hat eine Poststelle und einen Polizeiposten und in der Dorfmitte an der Straßenabzweigung nach Annaberg und Felizienthal ein Gasthaus und ein Geschäft. Es ist eine ukrainische Schule vorhanden, an der auch die deutschen Kinder unterrichtet wurden, jedoch nur ukrainisch und polnisch.

Tucholka hat eine griech.-kath. Kirche, erbaut 1845, und eine deutsche Kapelle, erbaut um 1910, letztere ist sehr baufällig. Beim Bau der Kapelle half meine Tante mütterlicherseits, Theresia Zajaczkowski, verheiratete Seckl, und andere Deutsche mit, dieses kleine Gotteshaus zu errichten.
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Die Kapelle war nach 1992 abgebrochen und die Teile nach Annaberg transportiert worden. Dort sollten sie in die neue Annaberger Kirche integriert werden. Wegen des morschen Holzes nahm man davon Abstand und verbrannte die restlichen Teile der alten Kapelle.
Bei meinem Besuch in Tucholka im Mai 1992 stand die Kapelle noch, jedoch in einem erbärmlichen Zustand. Im Innern sah es wie in einer Scheune aus, nichts erinnerte an etwas Religiöses.

Durch Tucholka, ein lang gezogenes Straßendorf, fließt der Brymowka-Bach, an der auch unterhalb der ukrainischen Kirche eine Mühle lag.
Die einstige Hauptverkehrsstraße von Lemberg nach Wien führt jetzt nicht mehr durch Tucholka und Klimiec. Mitte der 70iger Jahre kam es zum Neubau einer Umgehungsstraße unter Einbeziehung des Abzweiges nach Annaberg/Felizienthal. Besonders für den Schwerlastverkehr über die steilen und engen Serpentinen zum Beskid-Pass bei Klimiec war die alte Straße nicht mehr geeignet.

1929 gab es in Tucholka 170 Deutsche. Tucholka hat jetzt ca. 1000 Einwohner.
Tucholka und der Lysa-Berg mit der strategisch wichtigen Pass-Straße waren im 1. Weltkrieg 1915 zwischen Russen und Deutschen heftig umkämpft. Das Dorf musste geräumt werden. Die Bewohner flüchteten nach Felizienthal und andere umliegende Dörfer. Nach der Rückkehr war das Dorf verlassen und gänzlich niedergebrannt.

Heute ist Tucholka wirtschaftlich entwickelter als die anderen Dörfer.
Die Kolchose Polonyna baut hauptsächlich verschiedene Arten von Flachs an. Die Pipeline Druszba (Freundschaft) leitet Öl und Erdgas in die Slowakei, Tschechien, Polen, nach Ungarn und in die ehemalige DDR. Zusammen mit der Elektrizitätsleitung „Mir“ (Frieden) verläuft sie durch das Dorf.
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Tucholka 1992, Blick vom Lysaberg 1003 Meter

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Tucholka 1992, Hauptstraße in Richtung Skole, links hinter den Fichten die alte ukrainische Kirche

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Tucholka 1992, ehemalige ukrainische Schule, in der auch die deutschen Kinder unterrichet wurden

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Friedhof von Tucholka 1992, meist ukrainische Gräber, einige verfallene deutsche Gräber

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Tucholka 1966, ehemalige Poststation an der Straßenabzweigung nach Annaberg